Rhythmus

Wenn wir uns mit Bewegung beschäftigen, müssen wir uns auch mit Rhythmus beschäftigen, ob dies der kurze Rhythmus eines Mäuseherzens ist, oder eines Bienenflügelschlags ist, oder der Rhythmus der sich als Klang beim Brüllen des Löwens zitternd in Mark und Bein bewegt und uns erschauern lässt. Was wir als Rhythmus im Menschen wahrnehmen können, ist in uns selbst am besten wahrscheinlich der Atem, der gleichzeitig den Beginn und das Ende unseres Lebens auf der Erde (nach der Trennung von der Nabelschnur) kennzeichnet. Der gleichzeitig kontrolliert werden kann und selbständig auch im Schlaf oder Ohnmacht weiter zwischen Ein- und Ausatmen hin und herschwingt, wie das Pendel unserer Lebensuhr.

Die Natur ist unerschöpflich, weil in ihr alles Werden und Vergehen in einem gesunden Rhythmus verläuft. Anselm Grün

Nada Brahma - die Welt ist Klang, ein vom Musikjournalisten Joachim Ernst Berendt1 2 produzierte Sendung, die dieses Prinzip des Lebens, der Welt und der Bewegung beschreibt, ist ein Meisterwerk des 20. Jahrhunderts.

Ausgehend von dem Herzschlag und unserem Atemrhythmus können wir in unserem Körper zuerst Regungen unseres Geistes wahrnehmen und dann unseren Körper bewegen. Rhythmus findet sich also in unserem Augenzwinkern, unserem Herzschlag und auch beim Sprechen,3  Gehen, Laufen oder Rennen.

Es ist dabei für unsere Gesundheit und unsere Effektivität unserer Bewegung wichtig. In der Bewegungskunst können wir proaktiv so handeln lernen, wie es langfristig günstig ist, zum Beispiel im Sinne einer ganzheitlichen Strategie. Wenn wir dem Rhythmus unseres Körpers folgen und mit diesem in den Rhythmus der Umgebung hineinspielen können, so dass wir die natürlichen Rhythmen nutzen, anstatt gegen sie anzukämpfen, heißt das im Einklang  sein.

Bewegung mit dem Flow wird dies auch häufig genannt, also mit dem Strom schwimmen, auf der Welle reiten, eben im Rhythmus mit Tag und Nacht, mit dem ein- und ausatmen, mit dem Herzschlag, der Schrittfolge die uns unser Körper anbietet im Umfeld einpassen. So also wovor Khalil Gibran uns warnt es zu vergessen:

Wir werden mitgerissen vom Strom des städtischen Getümmels, bis wir den Rhythmus des einfachen Lebens auf dem Lande vergessen, das im Frühling heiter lächelt, im Sommer keine Mühen scheut, im Herbst die Früchte dieser Mühen erntet und im Winter ruht. Khalil Gibran, Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr

Gesellschaftswissenschaftlich findet sich Rhythmus in der Resonanz wieder, die Hartmut Rosa4 für seine Soziologie der  Weltbeziehung beschreibt. Es geht hier nicht um das im deutschen bekannte Prinzip: "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus." Sondern um eine Erweiterung, nämlich eine Antwort, die auch eine eigene Stimme hat.