Verschiedene Klima Geschichten

Gespeichert von dgermer am Mi., 17.07.2019 - 16:05
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Auf der einen Seite steht zum Beispiel mit "Kleine Gase - Große Wirkung" von David Nelles & Christian Serrer ein Büchlein bereit, das im quadratischen Format auf 131 Seiten in sieben Kapiteln mit vielen Grafiken die Fakten liefern soll, damit wir uns für unser Leben und Klimaschutz hier auf der Erde einsetzen. (und das Buch folgt vielen anderen die "Fakten" liefern, um unser Handeln zu beeinflussen)

Von der anderen Seite kommt Charles Eisenstein mit seinem Buch "Climate - A new story"1. Er führt eine andere Sichtweise zu dem Thema Klimawandel ein. Wir brauchen laut seiner Aussage nicht (nur) Fakten, sondern ein Gefühl von Verlust und Trauer, das uns dazu motiviert Verhaltensänderungen bei uns selbst herbeizuführen, oder eine Einstellungsänderung die dann die Verhaltensänderung einleitet.

Er beschreibt zum Beispiel wie wir einen Alkoholiker oder einen Raucher nicht durch bessere Information zum Aufhören bewegen, und wenn doch, dann gibt es einen Ersatz für die Ersatzbefriedigung die ja die Droge ursprünglich darstellt, stattdessen sagt er ganz im psychotherapeutischen Sinne, dass wir herausfinden müssen, was tatsächlich fehlt, und dieses Wiederherstellen müssen, zum Beispiel den Verlust einer wichtigen Beziehung.

Eisenstein bringt auf den Punkt, dass wir unsere Welt ausbeuten, weil wir in relativ kurzsichtiger Weise nur das sehen, was uns gerade scheinbar "nutzt". Wir sind aber sowohl wissenschaftlich, als auch spirituell als Menschheit schon längst weiter. Spirituell schon seit Jahrtausenden, hier bezieht sich Eisenstein interessanterweise nicht auf Thora, Bibel oder Quran, sondern auf den Begriff "Interbeing" aus der buddhistischen Philosophie bzw Lehre. Gleichzeitig beschreibt er spirituelles Wissen, was schon in den alten Hochkulturen der Nord- oder Südamerikanischen Ureinwohner bis heute tradiert wurde. Wir sind Bruder Fluss und Schwester Linde, Bruder Adler oder Vater Sonne, Mutter Erde, Gaia als Organismus und lebendiges System. Wir sind untrennbar Teil von diesem System.

Von der wissenschaftlichen Seite beschreibt er die Erkenntnisse, dass jegliche Kreatur auf der Welt in ihrem Wechselspiel einen Einfluss auf ihr Umfeld und tatsächlich auf das gesamte System hat.

Wir können nicht eine Art ausrotten oder einen Bachlauf begradigen, ohne Auswirkungen auf unser gesamtes System hervorzurufen. Er schreibt zum Beispiel zum Thema Wasser, dass es die Vermutung gab, dass Höhlenbildende Tiere die Weiden oder Savannen zerstörten und zu einer Versteppung oder der Ausbreitung der Wüste führten, man versuchte die Ausrottung von diesen Tieren und erreichte das Gegenteil, denn ihre Gänge führten zur Zwischenspeicherung von etlichen Kubikmetern Wasser was ohne Unterhöhlung einfach abfloss, Erosion und Wüste hinterließ. Eisenstein demonstriert, dass man dieses Problem und viele andere auch weiterbeschreiben könnte, bis auf die Auswirkungen auf das Klima, was aber seiner Ansicht nach zu kurz kommt, wir müssen nicht das Klima schützen, nicht die Temperatur niedrig halten, sondern vielmehr uns von dem Kriegsdenken verabschieden, wir kämpfen nicht gegen Wüsten, Armut, Terrorismus, Krebs, Verstümmelung von Frauen oder ähnliches ohne weiteres Leid zu verursachen, oder gar das ursprüngliche noch zu erweitern. Wissenschaft ist zu sehr von einem mechanistischen Weltbild dominiert, immer noch denkt man, dass die Welt eine sehr komplizierte Maschine sei, die es zu verstehen und zu steuern gelte, dies ist seiner Ansicht nach falsch und wissenschaftliche Untersuchungen hätten dies oft genug gezeigt, zum Beispiel dachte man, dass die Wale, weil sie Plankton fressen, mit ihrer Reduktion zu einer Überpopulation von Plankton führen würden (weniger Wale -> mehr Plankton), das Gegenteil ist der Fall mit dem Aussterben der Wale stirbt auch das Plankton aus.

Wir sollen uns verabschieden von diesem Denken und stattdessen Versöhnung mit unserem Leben, mit uns selbst angefangen, weiter mit unserem direkten Umfeld, mit unseren Familien, Nachbarn, mit dem lokalen Bächlein, welches wir vor einer Begradigung oder der Kanalisation retten, oder eine Versöhnung mit den Tätern von Verbrechen, mit der Hilfe für Obdachlose, mit der Rettung einer seltenen Tierart vor dem Aussterben, mit Insekten, Bergwiesen und Felslandschaften, Stränden und Sumpfgebieten und so weiter und so weiter. Wir brauchen eine andere Sichtweise auf Krankheit und Leben, nicht als Konkurrenz, sondern als ein Miteinander. Wir können Krebs nicht "besiegen" indem wir ihn bekämpfen2

Wir müssen aus diesem Ich-oder-Du, zumindest zu einem Ich-und-Du im Sinne der Gemeinwohl Ökonomie3 gelangen, damit wir aufhören können, in diesem "Nutzen" Denken  verhaftet zu bleiben.

 

  • 1. Eisenstein C. Climate: a new story. 2018. siehe auch kostenlos online: Prologue: Lost in a Maze [Internet]. Charles Eisenstein. [zitiert 23. August 2019]. Verfügbar unter: https://charleseisenstein.org/books/climate-a-new-story/eng/prologue/
  • 2. siehe auch: für den Kampf gegen Krebs: Mukherjee, Siddhartha. The Emperor of All Maladies: A Biography of Cancer. New York: Scribner, 2011.
  • 3. Felber, Christian, und Piper Verlag. Gemeinwohl-Ökonomie, 2018.
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